AG Kunsthistorikerinnen vor 1970: Wege – Methoden – Kritiken

Die AG hat sich 2018 konstituiert. 

2019 hat sie erfolgreich das DFG-Netzwerk "Wege – Methoden – Kritiken: Kunsthistorikerinnen 1880–1970" eingeworben. Aktuelle Forschungsschwer- punkte, Treffen sowie Mitglieder des Netzwerks finden sich unter: kunsthistorikerinnen.de

Neuerscheinung 2021

kritische berichte 49.4, 2021



Die Kunsthistorikerin? Bilder und Images
Herausgeberinnen: Brigitte Sölch, Jo Ziebritzki und Anja Zimmermann

Beiträge von: Irene Below, Anja Zimmermann, Henrike Haug, Jo Ziebritzki, Brigitte Sölch, Änne Söll, Annette Dorgerloh

Neuerscheinung 2021

Kunsthistorikerinnen 1910-1980. Theorien, Methoden, Kritiken
Herausgeberinnen: K. Lee Chichester und Brigitte Sölch 

Welche Theorien, Methoden und Kritiken haben die ersten Kunsthistorikerinnen entwickelt, und welche Sichtweisen und Deutungen trugen sie an die Kunst heran? Der Band geht diesen Fragen anhand von 24 Textauszügen – u. a. von Rosa Schapire, Gisèle Freund, Lotte Eisner und Lucia Moholy – nach und lädt zur Wiederentdeckung der frühen Vielfalt der Disziplin ein.

 


Neuerscheinung 2021
 

Stella Kramrisch. Kunsthistorikerin zwischen Europa und Indien. Ein Beitrag zur Depatriarchalisierung der Kunstgeschichte
Autorin: Jo Ziebritzki

Warum gab es keine bedeutenden Kunsthistorikerinnen? Das Buch sucht in der Kunstgeschichtsschreibung der letzten Jahrzehnte nach einer Antwort auf diese polemische Frage. Die Erklärung für das Fehlen von Kunsthistorikerinnen findet sich in den misogynen und patriarchalen Strukturen der Geschichtsschreibung. Um die Reproduktion ebendieser Strukturen zu unterbrechen, ist das Buch dem Werk und Wirken der Kunsthistorikerin Stella Kramrisch (1896-1993) gewidmet.


Die Mitglieder der AG sind unter info@kunsthistorikerinnen.de zu erreichen. 

Lee Chichester, M.A.
PD Dr. Annette Dorgerloh
Dr. Laura Goldenbaum
Prof. Dr. Brigitte Sölch
Jo Ziebritzki, M.A.

Zielsetzungen und Fragestellungen

Während der kunsthistorische Kanon seit den 1970er Jahren einer umfassenden (und fortdauernden) feministischen Kritik unterzogen worden ist, beschränken sich selbst jüngere Historiografien der Kunstgeschichte für die Zeit vor 1970 noch weitgehend auf männliche Akteure des Faches. Dabei lässt sich zeigen, dass bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstaunlich viele Frauen Kunstgeschichte im deutschsprachigen Raum studiert haben und in den verschiedenen Wirkungsbereichen des Faches aktiv waren, wo sie als Intellektuelle und Spezialistinnen durchaus Anerkennung fanden. Die AG möchte Forschungen sowie den wissenschaftlichen Austausch zum Wirken und zu den Errungenschaften von Frauen in der deutschsprachigen Geschichte der Kunstgeschichte anregen und bündeln, ebenso wie Werke und Methoden diskutieren, die bisher kaum wahrgenommen worden sind. In gemeinsamen Workshops und Publikationen wird unter anderem folgenden Fragen nachzugehen sein:

In welcher Weise haben heute vielfach in Vergessenheit geratene Wissenschaftlerinnen, Kritikerinnen, Kunsthändlerinnen, Denkmalpflegerinnen, Dozentinnen, Museumsdirektorinnen und Kuratorinnen kunsthistorische Denk- und Arbeitsfelder vor und nach der Institutionalisierung des Fachs im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert geprägt? Inwiefern führten historisch bedingte, geschlechtsspezifische Lebenserfahrungen und Bildungswege, sowie die Besetzung von Nischen, Auslandsaufenthalte, aber auch die Erfahrung des Exils zur methodischen wie materiellen Erschließung neuer Fragestellungen und Gegenstandsbereiche? Welche Netzwerke bauten diese Kunsthistorikerinnen auf, welche Medien und Publikationswege wussten sie für die Verbreitung ihrer Erkenntnisse zu nutzen? Wie sind Rezeption und Nichtrezeption früher kunstwissenschaftlicher Forschungen von Autorinnen weiblichen Geschlechts zu bewerten? Angesichts des nahezu ausschließlich männlichen Kanons der deutschsprachigen Kunstgeschichtsschreibung vor 1970 muss Linda Nochlins auf institutionalisierte Ausschlussmechanismen abzielende Frage „Why have there been no great women artists“ offenbar auch für Kunsthistorikerinnen erst noch beantwortet werden.

Die Gegenstandsbereiche, die von Vertreterinnen des Fachgebiets seit dem 19. Jahrhundert exemplarisch oder über Jahrzehnte hinweg systematisch erschlossen und bearbeitet wurden, umfassen die Kunstgeschichte im weitesten Sinne – von Malerei, Skulptur und Architektur, über materielle Alltagskulturen, bis hin zu Fotografie, Film und Design, und zwar von der „Vorgeschichte“ bis zur Gegenwart, weltweit. Teils entstanden durch unkonventionelle Herangehensweisen schon früh methodische Ansätze, die für die „turns“ der vergangenen Jahrzehnte, etwa für die postkoloniale und sozialhistorische Kunstgeschichte oder die Visual und Material Culture Studies, von größter Aktualität sind. Ihre Erkenntnisse müssten jedoch für die heutige Forschung erst wieder geborgen werden. Zu prüfen wäre, inwiefern sich die Stellung der Frau in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft auch auf die Art und Weise der Beschäftigung mit Kunst und Kunstgeschichte, und somit letztlich auf die Konstitution des Faches in seiner Entwicklung, ausgewirkt haben könnte. Dies soll jedoch keinesfalls nahelegen, dass es sich bei den frühen Kunsthistorikerinnen um eine homogene Gruppe gehandelt habe. Die Autorinnen und Akteurinnen betrachteten Kunstwerke und die Geschichte der Kunst wie ihre männlichen Kollegen auf vielfältigste Weisen, je nach politischer Anschauung, sozialer und ökonomischer Situation oder ideeller Ausrichtung. Das Feld der Kunst und Kunstgeschichte bot ihnen jedoch die Möglichkeit, Hierarchien des Blicks, Geschlechter-  und soziale Rollen sowie politische Fragen zu verhandeln, und somit auf Regime der Sichtbarkeit einzuwirken. Die Arbeit der AG zielt auf eine de-patriarchalisierende Revision der Historiografie der Kunstgeschichte und leistet damit einen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Geisteswissenschaften.
 

 

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