Positionspapier
Kunst- und Kulturwissenschaften rufen zur Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit gegen rechtsextreme und rechtspopulistische Angriffe auf
Die Versuche, Wissenschaft, Kunst und kulturelles Leben in Deutschland politisch zu beeinflussen und zu delegitimieren, haben ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Angesichts der offenen und verdeckten Angriffe auf die Arbeit von Institutionen, Förderstrukturen, Selbstverwaltung, Jurys und NGOs schließen Berufsverbände, Vereine und Arbeitsgemeinschaften ein Bündnis zur Verteidigung der Wissenschafts-, Kunst- und Meinungsfreiheit.
Eine unabhängige Wissenschaft und freie kulturelle Institutionen stützen demokratische Strukturen. Insbesondere rechtsextreme Parteien, Gruppierungen und Einzelpersonen wollen aktuell auf wissenschaftliche Projekte und Personalentscheidungen in ihrem Sinne Einfluss nehmen. Sie zielen darauf, Forschung und Vermittlung umzudeuten, wissenschaftliche Expertise zu diskreditieren, die Unabhängigkeit von Hochschulen, Museen und Gedenkstätten grundsätzlich in Frage zu stellen, Förderstrukturen zu zerstören sowie die Beschäftigten und Nutzer:innen von Kultur- und Forschungseinrichtungen einzuschüchtern und zu bedrohen.
Dieser Entwicklung treten wir offensiv entgegen!
Das gemeinsame Positionspapier der folgenden Verbände, Vereine und Arbeitsgemeinschaften schildert die Situation, benennt explizit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus als Bedrohung und umreißt, was wir in unseren Arbeitsfeldern tun können und tun wollen.
AICA - Internationaler Verband der Kunstkritikerinnen und Kunstkritiker - Sektion Deutschland e.V.
Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte
Arbeitskreis Kunstgeschichte inklusiv
Arbeitskreis Provenienzforschung e.V.
Deutscher Museumsbund e.V.
Deutscher Verband für Kunstgeschichte e.V.
Deutscher Verein für Kunstwissenschaft e.V. (DVfK) Kunsthistorischer Studierendenkongress (KSK)
Ulmer Verein - Verband für Kultur- und Kunstwissenschaften e.V.
Verband der Gedenkstätten in Deutschland e.V. (VGD)
Kunst- und Kulturwissenschaften und ihre gesellschaftliche Verantwortung
Angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung und vermehrter politischer Einflussnahme auf Wissenschaft, Forschung und Kultur, sehen wir die Grundlagen wissenschaftlicher Unabhängigkeit und institutioneller Resilienz als akut gefährdet an.
Die Kunst- und Kulturwissenschaften sind – national wie international – vernetzte und weit in die Gesellschaft hinein wirkende geisteswissenschaftliche Disziplinen. Sie erforschen, bewahren und vermitteln das materielle und immaterielle kulturelle Erbe und tragen wesentlich zum Verständnis historischer wie gegenwärtiger Bildkulturen bei. Sie erschließen Kunstwerke, kulturelle Zeugnisse und Bilder sowie deren vielschichtige gesellschaftliche Bedeutung nach historisch fundierten wissenschaftlichen Standards.
Durch ihr weitreichendes wissenschaftliches Methodenspektrum leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur differenzierten historischen Urteilsbildung, zur Reflexion sozialer Entwicklungen und nicht zuletzt zur demokratischen Erinnerungskultur. Ihnen kommt daher eine besondere gesellschaftliche Verantwortung zu. Das betrifft insbesondere die Aufarbeitung antisemitischer, rassistischer, imperialer, kolonialistischer, patriarchaler, queerfeindlicher und misogyner sowie ableistischer und diskriminierender Tendenzen in Geschichte und Gegenwart. Gerade diese Aufarbeitung ist seit Langem das erklärte Feindbild des Rechtspopulismus und des Rechtsextremismus.
Rechtsextremismus als besondere Bedrohung für die Freiheit und Unabhängigkeit der Forschung
Rechtspopulismus und rechtsextreme Ideologien wenden sich gegen eine pluralistische Gesellschaft und versuchen, historische Forschung, Erinnerungskultur und kulturelle Vielfalt umzudeuten bzw. einzuschränken.
Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften sind aufgrund ihrer Verantwortung für das kulturelle Erbe von den Angriffen auf ihre Institutionen besonders betroffen. Gerade wissenschaftliche Ansätze, die im Widerspruch zu geschichtsrevisionistischen Deutungen stehen, geraten immer wieder in den Fokus. Zunehmend erleben Forscher:innen die Diskreditierung ihrer wissenschaftlichen Expertise. Durch Forderungen, wie nach einem „Ende des Schuldkults“ oder einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“, wird die Erinnerung an die Shoah, aber auch an Kolonialverbrechen sowie die deutschen Kriegsverbrechen des Ersten und Zweiten Weltkrieges systematisch relativiert und negiert. Wir sehen, dass die Unverfügbarkeit von Kulturinstitutionen und Hochschulen eingeschränkt und kulturpolitische Entscheidungen an ethnisch-nationalistischen Vorstellungen ausgerichtet werden sollen.
Stärkung der Resilienz wissenschaftlicher und kultureller Institutionen
Die Wissenschaftsfreiheit setzt Räume des offenen, kritischen und respektvollen Diskurses voraus. Sie erfordert einen Staat und eine Gesellschaft, die die Räume einer demokratischen Debattenkultur aktiv schützen und sich zu ihr bekennen. Resilienz bedeutet die Sicherung der institutionellen Unabhängigkeit von Universitäten, Denkmalpflege, Forschungsinstituten und -bibliotheken sowie Archiven, Museen, Stiftungen und Gedenkstätten. Wir fordern daher eine Stärkung der Resilienz wissenschaftlicher und kultureller Institutionen.
Resilienz erfordert, zentrale Aufgaben von Ausbildung, Wissenschaft und Forschung mit nachhaltigen Personalstrukturen auszustatten, statt sie – wie derzeit – überwiegend befristeten Projekten zu überlassen. Regelmäßig neu zu bewilligende Fördergelder, etwa für Provenienzforschung, sind mögliche Angriffspunkte für rechtspopulistische und rechtsextreme Einflussnahme und stehen bereits im Fokus rechter Akteur:innen. Ebenso werden unerwünschte Themen in der freiberuflichen Kunst- und Kulturvermittlung durch Mittelentzug unterdrückt.
Besonders dringlich ist aktuell der Schutz vor Einschüchterung und Bedrohung in den genannten Institutionen und Kulturbereichen. Resilienz schließt auch die Gewährleistung transparenter Berufungs- und Förderverfahren und die Wahrung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit von Gremien und Jurys ein.
Resilienz braucht Solidarität – untereinander und vonseiten der Politik. Wir stellen uns auch vor die besonders vehement attackierten Bereiche Provenienzforschung, Gender- und Postcolonial Studies.
Die am Bündnis beteiligten Institutionen, Organisationen und Verbände befürworten Maßnahmen, die der Unterstützung aller Betroffenen und der Erfassung und Analyse von Angriffen und Einschüchterungsversuchen im Rahmen eines Monitorings dienen. Es ist unser Anliegen, die aktive Auseinandersetzung mit den akuten Gefahren des Rechtsextremismus und Rechtspopulismus zu fördern und die Forschung zum Verhältnis von Kunst und Rechtsextremismus zu vertiefen. Hierzu tauschen wir uns regelmäßig aus.
Andere Initiativen und Positionspapiere, wie die Deklaration der Wissenschaftsminister:innen der Länder („Wissenschaftsfreiheit und Resilienz – Grundlagen eines starken Wissenschaftssystems“), der Deutschen Forschungsgemeinschaft („Positionspapier zur Stärkung der Freiheit und Resilienz der Wissenschaften: Orientierungen und Empfehlungen“), der AG Resilienz des Deutschen Historikerverbands, des Kunsthistorischen Studierendenkongresses („Positionspapier gegen Rechts“) sowie der Initiative Provenienzforschung stärken! („Offener Brief“) unterstützt unser Bündnis ausdrücklich.
Ein entschlossenes Handeln dient nicht allein dem Schutz etablierter Wissenschaftler:innen und wissenschaftlicher Institutionen, sondern schafft zugleich die Voraussetzungen dafür, dass sich künftige Generationen frei entfalten, wissenschaftliche Unabhängigkeit bewahren und die Wissenschaft in ihrer Vielfalt weiterentwickeln können. In diesem Sinne trägt die Wissenschaftsfreiheit dazu bei, die Diversität der Wissenschaft langfristig zu sichern und bildet damit einen wesentlichen Baustein ihrer Zukunftsfähigkeit.
Neuerscheinung / kritische berichte
The Gaze at the Ethnographic. Ethnography, Contemporary Art, and Heritage Communities
hg. von Catalina Alvarado-Cañuta, Sebastián Eduardo Dávila
Die Beitragenden dieses Heftes blicken auf das Ethnographische, wie es in der Geschichte und Praxis der zeitgenössischen Kunst, in Museen und in den Kämpfen von heritage communities zum Vorschein kommt. In künstlerischen, kuratorischen und Schreibpraktiken setzen sie ethnografische Sammlungen, heritage communities und Kunstkontexte in Beziehung und erkunden Wege, den ethnografischen Blick zu transformieren und auf kollaborative sowie reparative Ziele auszurichten.
INHALT
Lunch Talks
20. April 2026
Antirassistische Kunstgeschichte - Kritik, Methoden, Perspektiven
1. Juni 2026
De-Zentralbild - Private Fotos von Migrant:innen in der DDR
29. Juni 2026
Sprache finden - Kritische Gemeinschaften zwischen Kunstwissenschaften und Kunstkritik
Zusätzliche Veranstaltung
12. Juni 2026
Heftlaunch kritische berichte 2/26: To Gaze at the Ethnographic. Ethnography, Contemporary art, and Heritage Communities.
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Montag, 20. April 2026, 13.–14.00 Uhr
Antirassistische Kunstgeschichte - Kritik, Methoden, Perspektiven
Henry Kaap im Gespräch mit Chanyoung Park sowie Rosa Sancarlo und Daniel Berndt von CARAH
Welche Rolle spielt die Kunst bei der Festigung rassistischer Stereotypen und kolonialer Weltbilder? Welchen Beitrag kann die Kunstgeschichte dazu leisten, rassistische Strukturen zu erkennen, zu befragen und aktiv zu verändern? Was bedeutet es, Kunstgeschichte zu dekolonisieren? In den letzten Jahren haben Ansätze der Critical Race Theory sowie repräsentationskritische Perspektiven der Visual Studies zunehmend Eingang in die Kunstgeschichte gefunden. Sie eröffnen neue Wege für eine kritische Auseinandersetzung mit den ausgrenzenden Prozessen, die kunsthistorische Narrative und den Kanon geprägt haben und weiterhin beeinflussen. Anlässlich der Veröffentlichung ihres Heftes in den kritischen berichten möchten wir mit den Herausgeber:innen Rosa Sancarlo und Daniel Berndt von CARAH, Henry Kaap sowie der Autorin Chanyoung Park diskutieren, inwiefern eine antirassistische Kunstgeschichte dazu beitragen kann, eine diskriminierungssensible und machtkritische Perspektive auf Kunstwerke, Institutionen und Wissensordnungen zu entwickeln.
Zoom-Meeting beitreten: https://us06web.zoom.us/j/86775370041?pwd=HC6NlOokBT9cZ6Ao8mHuZnCHqjo7sS.1
Meeting-ID: 867 7537 0041 // Kenncode: 071142
Montag, 1. Juni 2026, 13.–14.00 Uhr
De-Zentralbild - Private Fotos von Migrant:innen in der DDR
Nina Lucia Groß im Gespräch mit Isabel Enzenbach und Julia Oelkers
Die Online-Ausstellung und das Archiv dezentralbild.net erweitert mit privaten Fotos und Erinnerungen das visuelle Gedächtnis der DDR. Schließlich war die DDR-Gesellschaft nicht so homogen und weiß, wie sie oft erinnert wird. Bilder vom Alltagsleben ehemaliger Vertragsarbeiter:innen, ausländischer Studierender oder politischer Emigrant:innen in der DDR sind kaum bekannt. Selten gelangen sie in Veröffentlichungen, in Museen oder Archive, obwohl sie wichtige Perspektiven auf die Geschichte der Migration in die DDR eröffnen.
De-Zentralbild präsentiert private Fotos von Menschen, die zwischen 1957 und 1990 in der DDR gelebt haben. Die Bilder werden verknüpft mit Erinnerungen an die darin festgehaltenen Augenblicke und mit Erzählungen über das Leben in der DDR. Die Online-Ausstellung und das Archiv beinhalten auch Fotos und Geschichten von Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig in die Herkunftsländer zurückkehrten und sich heute aus Kuba, Mosambik und Vietnam an ihre Zeit in Deutschland erinnern.
Zoom-Meeting beitreten: https://us06web.zoom.us/j/84171816481?pwd=FbxiJbiXao9uE6ms5KLodxB9HaIkfe.1
Meeting-ID: 841 7181 6481 // Kenncode: 882789
Montag, 29. Juni 2026, 13.–14.00 Uhr
Sprache finden - Kritische Gemeinschaften zwischen Kunstwissenschaften und Kunstkritik
Isabelle Lindermann im Gespräch mit Sabeth Buchmann und Carsten Probst
Kunstkritik nähert sich einer künstlerischen Bildpraxis oder Arbeit oftmals als ein erster Versuch der konzisen Beschreibung, für die eine Sprache erst gefunden werden muss. Dagegen vermag die kunstwissenschaftliche Beschreibung mit größerem zeitlichem Abstand meist auf einen Fundus von Rezeptionen und Deutungen zurückzugreifen und die Kriterien der Beschreibung kritisch zu hinterfragen. Die beiden verschiedenen Sprachfindungsprozesse teilen unter den Bedingungen der Gegenwart eine – womöglich wachsende – Schnittmenge kritischer Methoden und sprachlicher Bezugnahmen, insbesondere was die begrifflichen Rahmungen der westlichen Art World, ihre politischen, sozioökologischen oder machtanalytischen Implikationen angeht.
Der Lunchtalk mit Sabeth Buchmann (Berlin/ Wien), Kunsthistorikerin und -kritikerin, Professorin für die Geschichte der modernen und postmodernen Kunst an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Carsten Probst (Berlin), Kunsthistoriker und -kritiker und derzeit Präsident der deutschen Sektion des Kunstkritiker:innenverbandes AICA, fragt danach, wie diese Schnittmengen angesichts einer mittlerweile offen restriktiven Kulturpolitik, der „Kulturkämpfe“ und Debatten um „post-kritische“ Kritikbegriffe aktiv verteidigt und strategische Vernetzungen von Kunstkritik und kritischer Wissenschaft gestärkt werden können.
Zoom-Meeting beitreten: https://us06web.zoom.us/j/84834542989?pwd=b6ssqbwsGFmE45wSawbPZJpw4aWzgP.1
Meeting-ID: 848 3454 2989 // Kenncode: 285562
Heftlaunch kritische berichte 2/26
Hybrid event in English
12. Juni 2026 - 19:00 Uhr, Berlin (place t.b.a.)
To Gaze at the Ethnographic. Ethnography, Contemporary art, and Heritage Communities.
The contributors to this issue look at the ethnographic as it emerges in the history and practice of contemporary art, in museums, and in the struggles of heritage communities. Through artistic, curatorial, and writing practices, they bring ethnographic collections, heritage communities, and art contexts into relation and explore ways of transforming the ethnographic gaze and orienting it toward collaborative and reparative aims.
Zoom-Meeting beitreten:
https://leuphana.zoom.us/j/92751477704?pwd=HMWCnqmzkKlYlQWrJ4muNKtiS6jgzb.1
Launch kritische berichte Heft 1.2026
Prekäre Karrieren! Unter welchen Bedingungen wollen wir arbeiten?
Freitag, 13. März 2026, 17 Uhr
Das erste kb-Heft in diesem Jahr, herausgegeben von Karoline Künkler und Kathrin Rottmann, erfüllt zwei Ziele: Zunächst ergänzt und erweitert es die Perspektiven der sechs Berufsgruppen, denen sich die von der AG Arbeitsbedingungen Kunstgeschichte durchgeführte Umfrage widmete und deren Ergebnisse 2024 publiziert wurden (DOI: 10.11588/artdok.00009360). Neben den Einblicken in Arbeitsfelder, die nicht Gegenstand der Umfrage waren (darunter die der studentischen Hilfskräfte und der Provenienzforschung), werden mit Themen wie Klassismus und gewerkschaftliche Organisierung übergreifende Fragen angesprochen, wobei der Schwerpunkt, bei aller notwendigen Kritik, auf Lösungsperspektiven liegt – denn die Ergebnisse der Umfrage sind immer noch aktuell. Im Rahmen der von Andreas Huth moderierten Veranstaltung stellen die Herausgeberinnen das Heft vor und diskutieren mit Autor:innen und Gästen, wie die darin enthaltenen Vorschläge zur Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen konkret verwirklicht werden können.
Die Veranstaltung findet auf Zoom statt: https://us06web.zoom.us/j/86985078563
Meeting-ID: 869 8507 8563
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Lunch Talks
Montag, 17. November 2025, 13.–14.00 Uhr
Kritische Kunstgeschichte ohne Kritik des Antisemitismus?
Die UV-AG Kunst und Antisemitismus im Gespräch mit Andreas Huth
Montag, 15. Dezember 2025, 13.–14.00 Uhr
Macht vs. Machtkritik. Zur Verteidigung der kritischen Kunstwissenschaften
Diskussion mit Henrike Haug und Andreas Huth
Montag, 12. Januar 2026, 13.–14.00 Uhr
Intersektionalität und Ausstellungsgeschichte
Gespräch zwischen Maria Bremer (Ruhr-Universität Bochum), Isabelle Lindermann (Akademie der Bildenden Künste Wien/Ulmer Verein), Shirin Graf (Kunsthochschule Kassel) und Fiona McGovern (Ruhr-Universität Bochum), moderiert von Nina Lucia Groß (MK&G Hamburg/Ulmer Verein)
Links und weitere Infos finden sich hier.
Neuerscheinung / kritische berichte
Antirassistische Kunstgeschichte
hg. v. Daniel Berndt, Nadine Jirka, Charlotte Matter, Rosa Sancarlo (CARAH – Collective for Anti-Racist Art History) und Henry Kaap
Das Heft soll einen Beitrag zur Entfaltung einer antirassistischen Kunstgeschichte leisten – allgemein als ein zentrales Anliegen für die Disziplin und spezifischer in Verantwortung gegenüber den historischen wie gegenwärtigen Konstellationen des europäischen und deutschsprachigen Kontextes. Die Beiträge und ihre unterschiedlichen methodischen Ansätze beleuchten Verflechtungen mit kolonialen Vergangenheiten ebenso wie gegenwärtige rassistische und diskriminierende Prägungen, die gesellschaftliche Wirklichkeit, Wissenschaft und Kunst gleichermaßen durchziehen. Dabei eröffnen sie Perspektiven auf Möglichkeiten kritischer Revision, solidarischer Wissensproduktion sowie ästhetischer und kuratorischer Praxis, die die bestehenden Machtverhältnisse sichtbar machen, befragen und transformieren wollen.
Inhalt
| Daniel Berndt, Charlotte Matter, Rosa Sancarlo | Editorial: Wege zu einer antirassistischen Kunstgeschichte https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113081 |
| Jacqueline Francis, Camara Dia Holloway | Working Towards a Critical Race Art History https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113082 |
| Chanyoung Park | Yellow Feelings. Emotional Racialized Encounters and Ornamental Subjectivity https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113083 |
| Viviana Gravano | Die ikonografischen Wurzeln des Rassismus in Italien https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113084 |
| Fiona McGovern |
"moving out of the ivory tower and into the workplace". Ein Kommentar zum Wiederabdruck von 'Working Women/Working Artists/Working Together'
|
| Jeff Bowersox im Gespräch mit CARAH | «Who Is This Black Man in a Prussian Spiked Helmet?» A Conversation with Jeff Bowersox from the Black Central European Studies Network https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113085 |
| Susanne Huber | Ungesetzte Sperrfrist. Überlegungen zu situierter Körpergeschichtlichkeit in James Gregory Atkinsons Zeitkapseln https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113086 |
| Gürsoy Doğtaş | «...who’s afraid of red, yellow and blue?» Augenarbeit in der Fabrik https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113088 |
| Daniel Berndt | Antirassismus in der DDR – zwischen Ideal, Bildpolitik und Realität https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113088 |
| Tasnim Baghdadi, Eric Otieno Sumba und Marilyn Umurungi im Gespräch mit Charlotte Matter | «Ich sehe Dich und ich sorge mich um Dich» Museen und antirassistische Praktiken https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113090 |
| Larissa Tiki Mbassi | Why Does a Plaque at the Espace Tilo Frey Still Mention Louis Agassiz? Detouring as a Methodological Tool to Reveal Diverting Tactics, p. 103-111 https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113091 |
| Debattenbeitrag | Kunstgeschichte mit links: Zu Vergangenheit und Zukunft der kritischen Kunstwissenschaften |
| AG Kunstgeschichte mit links (Irene Below, Katja Bernhardt, Henrike Haug, Andreas Huth, Fiona McGovern) | Präteritum und Präsens, gern Imperfekt und natürlich Futur. Zugänge zur Kunstgeschichte mit links https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113093 |
| Nachruf | |
| Karin Gludovatz | Nachruf auf Daniela Hammer-Tugendhat (1946–2025) https://doi.org/10.11588/kb.2025.4.113759 |
Neuerscheinung // kritische berichte
Heft 3.2025
Intersektionalität und Ausstellungsgeschichte / Intersectionality and Exhibition History
hg. v. Maria Bremer und Isabelle Lindermann
Das Heft knüpft an die Konjunkturen des Intersektionalitätsbegriffs an und fragt, inwiefern dieser als sozialhistorisch fundiertes Konzept nicht nur gegenwartsbezogen verstanden, sondern auch rückblickend auf Kunstausstellungen angewendet werden kann – als ein produktives Werkzeug der Ausstellungsgeschichte. Intersektionalität bezeichnet im Ausstellungsmodus sowohl das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen als auch Strategien zu deren Sichtbarmachung und Überwindung. Kann deren Berücksichtigung in der Analyse etablierte Ausstellungsgeschichten infrage stellen und zugleich der Tendenz zur Partikularisierung dieses kunsthistorischen Arbeitsbereichs entlang singulärer Identifikationskategorien entgegenwirken?
Inhalt
| Maria Bremer / Isabelle Lindermann (Hg.) | Editorial: Intersektionalität und Ausstellungsgeschichte https://doi.org/10.11588/kb.2025.3.111512 |
| Maria Bremer / Isabelle Lindermann (ed.) | Editorial: Intersectionality and Exhibition History |
| Jeannine Tang |
Intersectionality by Other Means. Jeannine Tang in Conversation with Maria Bremer and Isabelle Lindermann
|
| Lucy R. Lippard / Candace Hill-Montgomery |
Working Women/Working Artists/Working Together
|
| Fiona McGovern |
"moving out of the ivory tower and into the workplace". Ein Kommentar zum Wiederabdruck von 'Working Women/Working Artists/Working Together'
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| Clarissa Ricci |
1970s Feminisms at the Venice Biennale
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| Carina Engelke |
Intersektionalität im Modus künstlerisch-kuratorischer Kollektivität? Die Ausstellungsreihe Events des New Museum in New York (1980–1983)
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| Silvia Maria Sara Cammarata |
The Exhibition as a Critical Tool: Guerrilla Girls’ Practices between Activism and Institution since 1985
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| Shirin Graf |
Die Ausstellung One Day We Shall Celebrate Again: RomaMoMA bei der documenta fifteen (2022) – intersektional gelesen
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| Debattenbeitrag | Kunstgeschichte mit links: Zu Vergangenheit und Zukunft der kritischen Kunstwissenschaften |
| Irene Below / Isabelle Lindermann / Fiona McGovern |
Kunstvermittlung und Ausstellungspraxis. Auf der Suche nach einer emanzipatorischen Kunstgeschichte nach 1967
Irene Below im Gespräch mit Isabelle Lindermann und Fiona McGovern, AG Kunstgeschichte mit links |
kritische berichte
WICHTIGE NEUERUNG: kritische berichte ab Januar 2025 ausschließlich im Open Access
Zum 1. Januar 2025 erscheinen die kritischen berichte ausschließlich im Open Access bei arthistoricum.net (Universitätsbibliothek Heidelberg). Die bisherigen Abonnements der Printausgabe laufen zu diesem Datum aus.
Neuerscheinung
Heft 2.2025
Wohnen mit Klasse
hg. v. Amelie Ochs und Rosanna Umbach
Wohnen und Klasse sind untrennbar miteinander verbunden. Die Beiträge des Heftes analysieren diese Verbindung mit Blick auf Wohnbilder in Fotografie, Film, Zeitschriften, Architektur(debatten) und auf Social Media und diskutieren, wie darin Klassenverhältnisse sichtbar und unsichtbar gemacht werden. Die Debatte zum Thema Kunstgeschichte mit links wird in einem Gespräch unter dem Titel «Kunstgeschichte ist immer politisch» fortgeführt und durch zwei Nachrufe auf das kunsthistorische Institut in Osnabrück ergänzt.
Inhalt
| Amerlie Ochs / Rosanna Umbach (Hg.) | Wohnen mit Klasse. Editorial https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110092 |
| Jorun Jensen / Christiane Keim | Un/sichtbare Klassenverhältnisse im Neuen Bauen. Jorun Jensen und Christiane Keim im Gespräch mit den Herausgeberinnen https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110093 |
| Valentin J. Hemberger | (K)Eine Revolution im Alltag. Darstellung und Aushandlung proletarischen Wohnens in ausgewählten kommunistischen Zeitschriften der Weimarer Republik https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110094 |
| Sophie Eisenried | Revolution begins at home oder: Über die Möglichkeit einer intersektionalen Kritik des Wohnens https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110095 |
| Gabu Heindl / Nina Manz | Klasse Eigentumswohnung. Vermögensungleichheiten in der kritischen Wohnraumforschung https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110096 |
| Friederike Nastold / Barbara Paul | Souterrain, Villa und Treppen. Klassenübergänge, Affekte und Hemi-Parasitäres in Bong Joon-hos Parasite (2019) https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110097 |
| Philipp Hagemann / Alexander Wagner | Klassenräume. Begriffsarbeit am ‹Wohnen› https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110099 |
| Bernadette Krejs | Wohnen und Klasse auf Social Media: neue Werte- und Ästhetikgemeinschaften https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110100 |
| Matthias Noell | Architekturtheorie und Klassismus. Anmerkungen zu einem Forschungsdesiderat https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110102 |
| Debattenbeitrag | Kunstgeschichte mit links: Zu Vergangenheit und Zukunft der kritischen Kunstwissenschaften |
| Charlotte Püttmann / Hannah Rhein / Henrike Haug / Andreas Huth | Kunstgeschichte ist immer politisch. Charlotte Püttmann / Hannah Rhein (AG edk) im Gespräch mit Henrike Haug und Andreas Huth (AG Kunstgeschichte mit links) https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110104 |
| Nachruf | |
| Martin Papenbrock | Kunstgeschichte in Osnabrück. Die frühen Jahre https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110106 |
| Kirsten Lee Bierbaum | Blick zurück auf die Schließung des Kunsthistorischen Instituts in Osnabrück https://doi.org/10.11588/kb.2025.2.110107 |
AG Arbeitsbedingungen Kunstwissenschaft im Ulmer Verein
NEUERSCHEINUNG
Prekäre Karrieren. Resultate der Umfrage zu den Arbeitsbedingungen in den Kunstwissenschaften
hrsg. von der AG Arbeitsbedingungen Kunstwissenschaft im Ulmer Verein, 2024
DOI: https://doi.org/10.11588/artdok.00009360
Im Frühjahr 2020 wurde die AG Arbeitsbedingungen Kunstwissenschaft (AG AK) im Ulmer Verein gegründet – ausgehend von einem Lunch-Talk, als angesichts der beginnenden Corona-Schließungen die schwierige Lage vieler Kunstwissenschaftler:innen deutlicher denn je zu Tage trat.
Ziele
Perspektivisch will diese ehrenamtliche Initiative von Kunstwissenschaftler:innen dazu beitragen, auf Dauer bessere Arbeitsbedingungen für alle Fachkolleg:innen zu schaffen, die in verschiedenen Berufs- und Tätigkeitsfeldern dafür sorgen, dass die Kunstwissenschaft tiefergehende Erkenntnisse, neue Sichtweisen und Impulse hervorbringt, die zur Bereicherung der visuell-ästhetischen Kultur und damit dem demokratischen Miteinander dieser Gesellschaft dienen.
Grundvoraussetzung dafür, dass dies gelingen kann – in Gestalt von erfolgreicher Forschung, qualitätsvoller Hochschullehre und außeruniversitärer Bildungsarbeit, durch verantwortungsvolles Bewahren und Erhalten bildkünstlerischer Werke und Denkmäler sowie auf dem Wege ihrer ansprechenden Präsentation, etwa im Zuge bahnbrechender Ausstellungsprojekte –, sind allerdings faire Arbeitsbedingungen für alle Kolleg:innen in der Kunstwissenschaft. Wir brauchen Aussichten auf stabile Karrieren sowie sichere und würdige Lebensverhältnisse bis zum Alter, wie sie Fachleuten mit Hochschulabschluss angemessen sind.
Stattdessen jedoch sehen sich immer mehr Kunstwissenschaftler:innen mit prekären Arbeits- und Lebensumständen konfrontiert – bedingt vor allem durch das schwindende Angebot von unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen, Überarbeitung bei geringer Bezahlung und unzureichende Möglichkeiten zur sozialen Absicherung.
Umfrage
Weil zu dieser Sachlage bis dato kaum belastbare Zahlen vorlagen, die differenzierte Aussagen zulassen, hat die AG Arbeitsbedingungen Kunstwissenschaft 2020/21 einen berufs- bzw. tätigkeitsspezifisch aufgefächerten Fragebogen erarbeitet, der folgende Bereiche umfasst: Arbeitssuchende; Freiberufler:innen; freie Wirtschaft; Museum, Ausstellungswesen und Denkmalpflege; Stipendiat:innen sowie Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.
Die Online-Umfrage wurde im Frühjahr 2022 lanciert, so dass wir nach rund sechs Monaten Laufzeit die erhobenen Daten erfassen, analysieren und auswerten konnten.
Broschüre und Präsentation
Unter dem Titel Prekäre Karrieren legen wir die Ergebnisse im Dezember 2024 als präzise ausformulierte Broschüre und als Präsentation mit kompakten Visualisierungen vor.
Indem wir als AG AK mit diesen beiden Dateien unsere Umfrageergebnisse zur Verfügung stellen, möchten wir die zunehmende Prekarisierung vieler Kunstwissenschaftler:innen sichtbar machen und auf dieser Basis einen breiten Dialog über faire Arbeitsbedingungen eröffnen:
Deshalb suchen wir als Netzwerk zur solidarischen Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten und Selbstständigen im Kunst- und Kulturbetrieb Ansprechpartner:innen, Unterstützer:innen und Bündnispartner:innen aus Universitäten, Museen, Gewerkschaften, Verbänden und Vereinen – denn nur über einen Austausch über Erfahrungen, Wissen und Perspektiven lassen sich zugkräftige Strategien, Forderungen und Maßnahmenpakete entwickeln, die dazu beitragen, dauerhaft bessere Arbeitsbedingungen für uns alle zu etablieren.
Wer sich engagieren möchte, ist herzlich eingeladen mitzumachen – Interessierte können Kontakt aufnehmen über: arbeitsbedingungen@ulmer-verein.de